Spezialist, Generalist und Mr. T

Spezialist, Generalist und Mr. T

Gehe ich als Arbeiter und Mensch eher in die Richtung des Spezialisten oder des Generalisten? Die Fach- oder Management-Karriere? (Gerne auch direkt verbunden mit der Frage nach dem höheren Verdienst.) Dabei kann das entweder-oder nur verlieren.

Auf diese Frage hat mich ein Artikel bei Hackerboss gebracht, der sich genau mit dem Thema beschäftigt.

Spezialist oder Generalist?

Und dieser Artikel macht sehr schön folgendes Argument auf:

Es gibt keinen guten reinen Spezialisten. Auch um als Spezialist erfolgreich sein zu können, muß man das eigene Spezialwissen in einen Kontext bringen können. Ein gewisses Mindestmaß an Generalwissen, eine Umgebung, in die man das neu Erlernte oder Gewußte einbringen und einordnen kann, macht dieses Wissen um so wertvoller, oder eben auch überhaupt benutzbar.

Das konkrete Beispiel, das in diesem Artikel gebracht wird, ist eines aus dem Karate. Lange übt der Autor einen bestimmten Schlag – vergebens – bis der Meister ihn beiseite nimmt und ihm sagt, daß er den Schlag so nie lernen können wird. Daraufhin zeigt er ihm die komplette Kata, in der dieser Schlag nur ein Teil ist, eingebettet in eine Abfolge von Bewegungen, die Gesamtheit. Dies ermöglicht dem Schüler, den Schlag in einem ganz anderen Blickwinkel zu sehen, erst zu erkennen, worauf es ankommt. Natürlich ist die korrekte Erlernung des speziellen Schlag nun nur noch eine Kleinigkeit – verglichen mit vorher.

T

Dieses Konzept wird auch bei Venture-Labs (Technology Entrepreneurship) schön verdeutlicht: dort sollen Leute ausgebildet werden mit einer Expertise, die einem T entspricht. Der Querbalken oben vom T steht hierbei für die Breite, das Generalwissen, fächerübergreifend, um das eigene Wissen überhaupt einordnen und in einen Kontext bringen zu können. Auch erleichtert dieses Wissen natürlich ungemein den Austausch mit anderen Menschen, die ein anderes Wissen haben, aber über diesen Balken immer noch erreichbar sind.

Darüber hinaus gibt es noch den senkrechten Balken des T, dieser symbolisiert das Spezialwissen. Gut eingebettet in das (oder in diesem Bild aufgehängt am) Allgemeinwissen kann das Spezialwissen in einer Anwendung weit in die Tiefe gehen, und bleibt so doch zum Großen und Ganzen verbunden. Was für ein schönes Bild!

Beispiele

Angefangen mit dem guten Herrn Einstein, der als Patentanwalt und Hobby-Physiker die komplette Physik revolutioniert hat (nebenbei aber auch Thesen zur Welternährung (vegetarische Ernährung), Weltfrieden u. ä. aufgestellt hat), gibt es immer noch und immer wieder Beispiele, wo z. B. gutes Wissen in einem Bereich auf einen anderen Bereich erfolgreich übertragen wird. Ein ähnliches Konzept. (Die Geschichte, die mir vorschwebt, handelt von einem Verfahren, um Ölteppiche zu neutralisieren/aufzufangen. Leider finde ich den genauen Artikel nicht.. adaptiert wurde dieses Verfahren jedenfalls von einem Industrieaußenseiter, der ein ähnliches Verfahren in einem ähnliche Umfeld angepaßt hat.)

Auch in der entfernteren Vergangenheit, als es noch das Konzept des Universalgenies gab, gab es herausragende Persönlichkeiten: im deutschen Raum ist dies vor allem Goethe, begnadet als Schriftsteller, aber auch politisch und naturwissenschaftlich engagiert, mit gewissem Erfolg.

Direkt fällt einem auch Leonardo da Vinci ein, der mit seinen vielen geplanten Apparaten sicherlich ein Spezialwissen hatte wie kaum jemand anderes, sich jedoch auf so vielen Gebieten betätigt hat – und mit sehr großem Erfolg – daß sein Name immer noch ein herausragender ist. Ingenieur, Mediziner, Maler, Bildhauer.

Und im letzten Jahrhundert gab es Churchill, den Überzeugungstäter, der ein großer Politiker (mit Spezialwissen im Militärbereich), vor allem wohl Redner, und ein brauchbarer Maler war.

Es ist beinahe so wie bei Mr. T: mit breitem Kreuz und hoher Statur läßt sich viel bewegen, und jedes Hindernis wird durchbrochen.

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