Der gesunde Menschenverstand

Der gesunde Menschenverstand

Der gesunde Menschenverstand.. immer hilfreich, immer dabei. Und doch.. manchmal verursacht er Probleme.

„Das ist doch offensichtlich! Das ist doch gesunder Menschenverstand!” Das habe ich schon zu oft gehört, besonders gerne im beruflichen Umfeld. (Nur, damit kurz danach eben jene Person den (gesunden) Verstand abschaltet, und eine in der einen oder anderen Art und Weise schädliche Sache tut.)

Oft hat man mit dieser Einschätzung recht: fast alles im Projektmanagement z. B. ist nicht mehr als gesunder Menschenverstand. Wobei hier evtl. schon die erste Frage dämmert: warum so viele Projekte scheitern (scheitern heißt hier deutlich über Budget, deutlich über der Deadline, oder gar nie im Rahmen des ursprünglichen Ziels abgescholssen). Sind so viele Menschen „dumm”?

Das Schlimme hierbei: durch die Einschätzung „alles offensichtlich” stellen wir uns auf eine Meta-Ebene, eine Ebene, in der wir uns von dem Inhalt distanzieren, und ihn untersuchen und bewerten, aus der Ferne. Und zu der Einschätzung kommen, daß er keine Neuigkeiten für uns enthält, da wir ihn mit unserem gesunden Menschenverstand ohnhin erfaßt hätten. So nehmen wir selten etwas vom Offensichtlichen mit. (Wobei ohnehin so viel offensichtlich ist: ich hätte bestimmt auch mal eben einen Suchalgorithmus entwickeln können, der besser ist als alles zu der Zeit, wie die Google-Gründer es vor einiger Zeit gemacht hatten. War doch klar damals, daß das Bedürfnis besteht.)

Allein, wenn man eine ähnliche Meta-Ebene, eine kritische Beobachter-Distanz, zu sich selber und seinem eigenen Verhalten einnimmmt, so wird mancher zu der Ansicht kommen, daß die so offensichtliche Sache doch im eigenen Leben und Streben sträflich vernachlässigt wird.

Schwer zu sagen, woran das liegt – evtl. sind wir einerseits Gewohnheitstiere, d. h. wir tun regelmäßig mehr oder minder genau das gleiche, und dazu kommt dann, daß etwas Offensichtliches kaum die Rechtfertigung zu bieten scheint, die eigene Gewohnheit zu ändern (selbst, wenn wir es ohne weiteres könnten).

Auf diese Idee – neben vielen eigenen Erfahrungen – bin ich übrigens durch das Hören einer Brevity Brief Buchzusammenfassung gekommen. Es sagte doch

According to the University of Southern California, you can get the equivalent of full time university attendance by listening to educational audio programs as you drive from place to place. Turn your car into a learning machine, into a “university on wheels.” Enroll at automobile university and attend full time for the rest of your career.
~~Brian Tracy

Wobei es natürlich tolle, weitere Alternativen gibt.

Tja, und was stattdessen tun? Vielleicht sich selber nicht so wichtig nehmen, und auch bei den offensichtlichen (und anderen) Dinge das eigene Tun regelmäßig hinterfragen und reflektieren, ob alles auch so läuft, wie wir es uns wünschen. Bei den kleinen Dingen und bei den großen – sonst stellen irgendwann in vielen, vielen Jahren fest, daß wir den Großteil unseres Lebens Dinge getan haben, die doch gar nicht unserem gesunden Menschenverstand entsprechen.

Beachte immer, daß nichts bleibt, wie es ist, und denke daran, daß die Natur immer wieder ihre Formen wechselt.
~~Mark Aurel

(Das stand gerade auf einem meiner Ars-Edition-„365 Tage aufmunternde Worte”-Kalender, und irgendwie paßt jedes Zitat immer gerade. 🙂 )

Irgendwie ist der gesunde Menschenverstand bei mir ein beliebtes Thema, siehe hier oder auch hier.

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