Da sind Sie aber der Erste!

Da sind Sie aber der Erste!

Gestern hatte ich wieder die Gelegenheit, Dienstleister auf eine.. Verbesserungsmöglichkeit aufmerksam zu machen, und erhielt als Antwort auf meinen Hinweis eine Antwort, die fast schon die Regel zu werden scheint: „Da sind Sie aber der Erste (der sich beschwert)!”

Das Ganze passierte im Best Western in Jena, einem Hotel mit 4 Sternen, die alle schwer erkämpft zu sein scheinen. Internetzugriff per WLAN war nicht nur sehr langsam wie sonst auch immer (darüber hatte ich mich noch nie beschwert), nein, er setzte vollkommen aus. Die Netzwerkverbindung verschwand, usw.. kein angenehmer Zustand, wenn man online Dinge erledigen möchte. Per UMTS als Notlösung war ich schließlich deutlich schneller unterwegs. Die freundliche Dame an der Rezeption ließ dann den lieb gewonnenen Spruch los. Da mich damit niemand mehr überraschen kann, antwortete ich noch „Das heißt also, daß Sie nichts unternehmen werden?” und genau so war es dann auch.

Eine ähnliche Situation gab es kurz vorher mit nachts recht lauten Nachbarn (im Hotel gehe ich anders als in einer normalen Wohnung zur Rezeption und nicht zu den Nachbarn), was an sich auch erst einmal kein Problem gewesen wäre, wären Wände und Türen nicht papierdünn.

Doch nicht nur hier scheint der Servicegedanke bei den 7 +/- 2 Dingen, die wir im Kopf halten können gern schon einmal unter den Tisch zu fallen.

Vor geraumer Zeit hatte ich im Aldi (und der Aldi hat sich – man weiß es kaum – Service auf die Fahnen geschrieben) darauf hingewiesen, daß das an sich leckere und gesund(e) (sein sollende) Sonnen(irgendwas)brot doch immer.. besonders knusprig (also verbrannt) ist, eben jenen schönen Satz gehört. Da ich dieses Brot lange Zeit gerne gekauft hatte, habe ich es dann noch einmal bei einem Kollegen der ursprünglich angesprochenen Person versucht, und erhielt die gleiche Antwort. Doch ich war vorbereitet. Ich hielt dem staunenden Mann ein zwar nicht schwarzes, aber doch.. ordentlich knuspriges Brot unter die Nase. Er war verwundert. Leider schien diese Emotion jedoch nicht auszureichen, um das Backgerät auch tatsächlich neu programmieren zu lassen.

Ich könnte noch zahlreiche andere Beispiele bringen..

Keine Eier

Mittlerweile habe ich schon fast das Gefühl, daß sich auf die Meinung der Masse nur wenig geben läßt.

Viele geben im Café immer das gleiche Trinkgeld, egal, wie gut der Service war oder nicht.

Vielleicht bin ich da auch besonders, gebe gerne schon einmal kein Trinkgeld, manchmal auch mit entsprechendem Hinweis, oder besonders viel, und das dann fast immer mit einem (lobenden) Hinweis. Aus dem Curry Cologne (einer Imbissbude!) komme ich z. B. fast nie ohne lobende Bemerkung heraus. Weil das immer wieder angemessen ist.

Letzten Endes.. wenn eine freiwillige Leistung zu einem Automatismus wird, welche Bedeutung hat sie dann noch? Welche Bedeutung hat das „sehr gut” in der Schule, wenn jeder eine 1 hat? Ist es toll, wenn ich 50.000€ verdiene, wenn der Kollege auch 50.000€ oder gar 60.000€ bekommt?

Eine bessere Welt

Ich plädiere jedenfalls dafür, höflich und konstruktiv (da wo es gelingt, und Übung macht den Meister) seine Meinung kundzutun. Immer mal wieder (sehr selten) trifft man auf jemanden, den das Feedback freut. Auf jemanden, der daran arbeitet, seine Dienstleistungen zu verbessern. Der nicht „friß oder stirb!” sagt, sondern sich auf die Wünsche seines Kunden (und wir sind sehr oft Kunden!) einstellt.

Ich hoffe jedenfalls, daß ich nicht nur in der Zukunft wieder aus Kloschüsseln drinken kann, sondern die Konversation mit der Brötchenverkäuferin erfreulicher verläuft als die mit dem Backautomaten.

Vielleicht mache ich irgendwann mal ein Geschäft auf, sorge dafür, daß alle Angestellten besonders höflich und hilfsbereit sind, und bin mir relativ sicher, daß viele Leute bereit wären, für Leistungen dort mehr zu zahlen. Ich wäre es jedenfalls.

Und bedanke mich gerne mit einem netten Wort, das freut oft mehr als Trinkgeld.

One thought on “Da sind Sie aber der Erste!

  1. Die Lustlosigkeit, mit der dem Kunden entgegen getreten wird, ist zum Teil unglaublich. Ich lasse mir das auch nicht gefallen, werde dann mitunter sehr sarkastisch. Das verstehen viele Dienstleister dann nicht. Leider hat man mitunter keine Alternativmöglichkeiten, weil diese mitunter schon vor Jahren den Bach runtergingen. Schlecht bezahlte Mitarbeiter haben eben nur wenig Motivation (was bei ALDI eigentlich nicht sein sollte…). Wer sich traut, sollte das Gespräch mit den leitenden Mitarbeitern suchen. Diese sind mitunter sehr dankbar über kritische Hinweise.

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