FritzBox: Sendestärke ändern

FritzBox: Sendestärke ändern

Gemäß verschiedener Anleitungen, die im Internet kursieren, kann man bei einer Reihe von FritzBoxen die Sendesignalstärke verändern – und somit auch die Signalqualität und damit die Übertragungsgeschwindigkeit, die je nach Entfernung, Anzahl der Wände etc. schnell sogar unter die Geschwindigkeit einer DSL-Leitung sinkt.

Um es direkt vorweg zu sagen, meine Bemühungen waren nur bedingt von Erfolg gekrönt. Trotzdem habe ich eine Reihe interessanter Dinge in Erfahrung gebracht, und – unbestätigten Berichten zufolge – haben ähnliche Vorgehen bei einzelnen Anwendern Verbesserungen gebracht.

Steigerung der Antennenleistung per Konfiguration

Wie gesagt haben diese Versuche bei mir keine Verbesserung gebracht. Allerdings.. war es für mich durchaus interessant, mal ein wenig mit der FritzBox (in meinem Fall eine 7141 mit UI Branding) herumzuexperimentieren.

Sollte man sich an seiner FritzBox versuchen wollen muß man zunächst einmal den Telnet-Zugang aktivieren, für den Profizugriff. 🙂 Dazu kann man entweder direkt mit einem verbundenen Telefon die passenden Tasten drücken, oder alternativ auch über die Schnellwahl mit einem Trick Telnet aktivieren, und zwar mit der #96*7* (mit #96*8* wieder deaktivieren). Vorher müssen wir noch ein Passwort für die Box vergeben, bzw. werden wir automatisch danach gefragt. Dieses benötigen wir dann auch für die Verbindung gleich.

Anschließend können wir uns per Telnet (z. B. über Putty) mit der FritzBox verbinden. Dazu wählen wir als Adresse fritz.box aus, und stellen das Protokoll auf Telnet um (der Port ändert sich automatisch).

Variante 1

Bei Noshacks gibt es eine Beschreibung, wie man die Sendeleistung irgendeiner FritzBox (FritzBox WLAN?) erhöht, z. B. von 16dB auf 20dB. Dazu gibt man in der Kommandozeile des Telnet-Prompts folgende Befehle ein:

iwconfig

zeigt die vorhandenen Adapter an.

wlanconfig ath0 get_txpowercap MAC

gibt bei Eingabe der richtigen MAC-Adresse die derzeitige Sendeleistung aus.

wlanconfig ath0 set_txpowercap MAC 20

setzt dann die Sendeleistung auf 20dB.

Gute Idee.. allein, meine spezielle FritzBox besitzt diese Befehle gar nicht. Wenn ich sie eingebe, erhalte ich

-sh: iwconfig: not found

Variante 2

Variante 2 kommt wie auch Variante 3 von We have more Fun.

Hier wird per

wlctl txpwr

die aktuelle Sendeleistung ausgelesen, standardmäßig so etwa 22-25mW.

Mit

wlctl txpwr 84

läßt sich der (laut Hilfe) Maximalwert einstellen. Natürlich sollte man immer aufpassen, daß man mit seinem eigenen Netz auch andere nicht zu sehr stört, und daß irgendwann der Router auch wie eine Mikrowelle funktioniert und dann alles um sich herum frittiert. Naja, bei einer FritzBox vermutlich nicht, jedoch sollte man diesen Wert nicht ohne sehr gutes Wissen höher einstellen.

Oh ja, bei mir hat das auch nicht funktioniert. Das Kommando wlctl gibt es bei mir ebenfalls nicht.

Variante 3

Wieder auf We have more Fun (ganz unten) steht noch eine weiter Methode. Funktioniert hat sie auch nicht, ist dafür aber noch einiges spannender, verrät sie doch zumindest ein wenig über das Funktionieren der FritzBox.

Daß auf der FritzBox ein kleines Linux läuft haben wir evtl. schon gesehen, als wir uns per Telnet verbunden haben. Die beliebten Befehle wie ls, cd usw. funktionieren hier also natürlich auch. Und nicht nur die, auch vi und andere, wie wir sehen werden.

Der Ansatz besteht hier darin, eine Konfigurationsdatei zu editieren. Diese befindet sich in /var/flash, einem Systemverzeichnis. Verändern wir hier etwas zu viel können wir schnell größere Probleme mit der FritzBox bekommen (bis dahin, daß sie gar nicht mehr startet), in diesem Fall gibt es aber einen Artikel zur Rettung bei TecChannel. Bei TecChanel finden sich auch noch ein paar weitere interessante Grundlagen.

Jedenfalls ist /var/flash voller Konfigurationsdateien, die wir nicht direkt editieren können, und einige der angezeigten Dateien existieren noch gar nicht und müssen erst mit irgendeinem Dummy-Wert angelegt werden bevor sie editiert werden können. Doch das müssen wir hier nicht machen, wir interessieren uns nur für die wlan.cfg Datei.

Da wir sie nicht direkt editieren können gibt es seitens AVM ein Prozedere, das diese Limitierung umgeht: Datei aus dem Verzeichnis in eine temporäre Datei kopieren, editieren und wieder zurückkopieren. Um das alles etwas bequemer zu machen gibt es neben dem Editor vi noch das Kommando nvi, das das Hin- und Herkopieren für den Anwender erledigt und so das Editieren etwas komfortabler macht.

Wir wählen also das Verzeichnis per

cd /var/flash

und starten den Editor

nvi wlan.cfg

Hier können wir nunmehr mit den Cursor-Tasten bis ans Ende des Dokumentes gelangen, um dann vor der schließenden Klammer eine Zeile einzufügen, und zwar

txpwr = 84;

wobei 100 die Sendeleistung ist und maximal 251 werden kann. 84 ist der empfohlene Maximalwert.

Wer nicht täglich mit vi arbeitet wird sich über eine Übersicht der vi-Kommandos freuen (hier noch einmal etwas kürzer und prägnanter). Im Wesentlichen müssen wir wissen, daß vi den Editier- sowie Kommandomodus unterscheidet. Zunächst sind wir im Kommandomodus, navigieren dann mit den Cursortasten zu der gewünschten Stelle und aktivieren mit „i” den Einfügemodus. Nun können wir normal unseren Text eingeben. Mit Esc kommen wir aus diesem Modus wieder in den Kommandomodus und können nun mit :w unsere Änderungen speichern und mit :q den Editor verlassen. Sollten wir ungewünschte Änderungen gemacht haben, läßt sich auch mit Strg+Z vi in den Hintergrund schicken, bleibt so jedoch bis zum nächsten Neustart aktiv. Sollten wir unsere Änderungen wieder löschen wollen, so läßt sich mit Esc (wenn nicht im Kommando-Modus) + „d” + „d” die aktuelle Zeile löschen. Oh ja.. die Macht der Tastaturkürzel.. trotzdem ist es immer gut, auch eine GUI als Ausweichmöglichkeit für Einsteiger zu haben. Nun denn.

Damit die Änderungen übernommen werden können, muß die Box neu gestartet werden. Und voilà.. evtl. ändert sich etwas – bei mir leider nicht.

Wie bemerke ich eine Änderung?

Am stärksten sehen wir eine Änderung, wenn wir in der Windows-WLAN-Anzeige plötzlich mehr Balken haben als zuvor.

Alternativ sehen wir mit

netsh wlan show networks mode=bssid

die Signalstärke der Zugangspunkte in Reichweite, u. a. auch von unserem eigenen Zugangspunkt. Hier können wir also vorher und nachher schaun, ob sich etwas getan hat.

Alternativ können wir auch noch direkt einen DSL-Speedtest machen, der uns dann sagt, mit welcher Geschwindigkeit wir am jeweiligen Ort surfen können (und diese Geschwindigkeit ist oft eher vom WLAN als von der DSL-Geschwindigkeit abhängig). Hier kann ein Vorher-/Nachher-Vergleich sehr aufschlußreich sein (der hilft auch, wenn wir z. B. die Antennen drehen oder Sende- und Empfangsgerät umstellen).

Box debranden

Evtl. hilft das Debranden, was ich allerdings nicht ausprobiert habe. Anleitungen gibt es genügend, ob das etwas bringt weiß ich allerdings nicht. Soweit ich weiß wird das Debranden eher benötigt, wenn man z. B. eine 1&1-Box später mit Alice oder Congstar laufen lassen möchte. Wenn überhaupt – bei meiner Konfiguration z. B. läuft die Box auch mit anderen Anbietern.

Was wirklich hilft

Optionen in der FritzBox

Das einzige, was bei mir funktioniert hat, ist, daß ich die Option „Sendeleistung automatisch auf den tatsächlichen Bedarf verringern” ausgemacht habe. Diese Option ist sehr sinnig, wenn man z. B. in direkter Nähe der FritzBox arbeitet, und auf allen Rechnern ohnhin sehr guten Empfang sowie sehr gute Übertragungsgeschwindigkeiten hat. Sieht man jedoch deutliche Einbußen insbesondere in der Übertragungsgeschwindigkeit, so kann das Ausschalten dieser Option (insbesondere dann, wenn man WLAN-Empfänger weit weg oder hinter mehreren Zwischenmauern stehen hat) eine gewisse Verbesserung bringen.

Antennenausrichtung

Sowohl im Empfangsgerät wie auch im Sendegerät (der FritzBox) sitzen Antennen. Diese strahlen typischerweise nicht in alle Richtungen gleich stark aus (und empfangen auch nicht Felder aus allen Richtungen gleich stark). Am einfachsten beschrieben sind diese Felder für Richtantennen: man richtet einfach beide Antennen aufeinander aus, und hat direkt eine sehr gute Verbindung, auch deutlich über das hinaus, was man normalerweise (mit üblichen Stabantennen) erzielen würde. Großer Nachteil: man ist sehr unflexibel, und nicht mehr mobil. So eine Lösung ist also nur in den allerwenigsten Fällen interessant, zumal auch neue Antennen angeschafft werden müssen.

Stabantennen, so wie sie z. B. an der FritzBox angebracht sind, strahlen in der Regel am stärksten senkrecht zum Stab ab, also, wenn der Stab nach oben zeigt wird die Etage, wo die FritzBox steht bestens versorgt. Hier kann also durch Ausrichtung die Verbindungsqualität für bestimmte Empfangsorte verbessert werden.

Im Empfangsgerät gibt es natürlich auch eine Antenne – sollte diese integriert sein wie z. B. bei den meisten Notebooks hilft nur willkürliches Drehen – man sieht die Wirkung nur durch die Veränderung in der Verbindungsqualität.

Ein mehr oder minder willkürliches Umstellen beider Geräte hat noch einen anderen Effekt: evtl. ist – zufälligerweise – gerade ein besonders schlecht durchlässiges Mauerstück, ein Metallschrank, … zwischen Sender und Empfänger und durch Umstellen von nur einem Meter kann sich die Verbindungsqualität deutlich verbessern. Dies ist jedoch ein recht langwieriger Prozess, der einiges an Glück/Zeit/Erfahrung voraussetzt.

Strom und Repeater

Was noch helfen kann ist ein WLAN-Repeater. Hier hilft oft eine alte Zweitbox, die evtl. noch rumsteht. Leider klappt die WLAN-Erweiterung jedoch (mit WPA-Verschlüsselung) nur mit anderen FritzBoxen (hier gab es lange keinen herstellerübergreifenden Standard). Die theoretisch maximale Übertragungsgeschwindigkeit halbiert sich, kann jedoch im Endeffekt bei geschickter Platzierung des Repeaters (bzw. des 2. Routers) real immer noch deutlich höher sein als zuvor. Der Repeater sollte generell zwischen der Basisstation und dem Empfänger stehen. Eine gute Beschreibung bietet die Computerbild.

Alternativ lassen sich schlecht erreichbare Stellen im Haus auch über das Stromnetz versorgen. Startersets gibt es bereits für ca. 40€ (dann kabelgebunden, also ohne WLAN). Man spart sich hier den Ärger, durch mehrere Wände mit hoher Leistung strahlen zu müssen und hat eine oft konstant gute Übertragungsqualität. Auch gibt es direkt Adapter LAN->Strom->WLAN, so daß man in einem beliebigen anderen Zimmer wieder sehr guten WLAN-Empfang haben kann.

Allerdings: Stromadapter haben die Einschränkung, daß sie oft nur auf Teilstromkreisen eines Hauses gut funktionieren, da diese oft phasengetrennt sind, was Probleme bereitet. Bei Gulli gibt es einen Artikel, der etwas mehr diesbezüglich erklärt. Andererseits sendet man hier – extrem vereinzelt – wohl auch in das Haus des Nachbarn (oder zumindest anderer Parteien) mit, dies wird durch die angebotene Verschlüsselung jedoch unproblematisch – ein WLAN-Netz betreibt ja auch niemand mehr unverschlüsselt. Also manchmal eine deutlich überlegene Alternative, die jedoch auch nicht ganz ohne ihre Eigenheiten ist.

Fazit

Viele gute Ansätze, leider mit bescheidenem Erfolg, und selbst die Alternativen Repeater sowie Netz per Strom sind nicht ohne Probleme. Zumindest sollte für jeden etwas dabei sein, das hilft. Oder helfen könnte.

3 thoughts on “FritzBox: Sendestärke ändern

  1. Wer übrigens wie ich.. seine Internet-Zugangsdaten vergessen hat (also das Passwort des Providers) kann sich einfach per Telnet verbinden (s. o.) und folgendes eingeben:

    allcfgconv -C ar7 -c -o - | sed -n -e '/targets/,/}/p' | sed -n -e '/local/,/}/p'| sed -n -e '/username/,/passwd/p'

    und es werden Username und Passwort im Klartext ausgegeben. (Siehe auch Telefon-Treff.)

    Noch komfortabler geht es mit FritzRePass! , wie im 2. Post bei Boerse beschrieben. Im ersten Post wird eine Variante mit Wireshark beschrieben.. wobei es da mit Telnet doch einfacher sein dürfte (zumal man das Kommando in den Putty direkt reinkopieren kann).

  2. Eine gute Anleitung zum einrichten eines Repeaters habe ich auf wlan-repeater-einrichten.de gefunden. Vielleicht hilft’s dem ein oder anderen weiter.

  3. Super Sache, hat mir sehr geholfen.Wenn jetzt noch bekannt wäre wie man per Telnet
    an einen Computer Repeater rankommt.

    Wenn man zwei Repeater mit abgesetzten Antennen betreibt, dann könnte man die schön Brüllen lassen.

    Gruß Mars

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