Cebit 2012: die große Enttäuschung

Cebit 2012: die große Enttäuschung

Auch dieses Jahr habe ich mich wieder zur Cebit locken lassen. Von dem, was geboten wurde, war ich jedoch überrascht – das schien letztes Jahr noch anders gewesen zu sein.

Wer zahlt ist selber schuld

Ungefragt habe ich dieses Jahr 3 Tickets zugesandt bekommen. Bei der Registrierung habe ich dann festgestellt, daß ich noch 5 weitere Personen hätte einladen können. Zusätzlich gab es noch zahlreiche Aktionen, wo Personen, die bislang noch nicht auf der Cebit waren, kostenlos an ihr Ticket gekommen wären.

Es scheint fast ein wenig so, als wäre die Cebit um jeden (Fach-)Besucher verlegen.

Die Registrierung war übrigens überraschend schlecht: auf der Seite wurde ich ausdrücklich darauf hingewiesen, ein auszudruckendes Ticket per Mail zu erwarten – das jedoch nicht kam. Schließlich rief ich an (sehr gut – auch früh morgens war direkt ein freundlicher Mitarbeiter am Telefon!) – und mir wurde mitgeteilt, daß viele Leute dieses Problem haben (evtl. weil die Webseite so mißverständlich ist?). Daß ein Techniker schnell den mißverständlichen Text in einen klareren geändert hätte (immerhin habe ich mich erst am vorletzten Tag registriert) wäre dann wohl zu viel verlangt gewesen.

Technisches

Die Anreise mit der DB war wie gewohnt unbequem. Die Züge waren diesmal nicht nur voll von den üblichen Nerds (wie man an den Gesprächsthemen schnell erkennt – wäre ich nicht in Begleitung gewesen hätte ich evtl. mitgeredet :)), sondern auch noch voller Fußballfans (wie man an Biergeruch und lauten „guckt mal wie viel Spaß ich habe – ich stecke euch jetzt mit meiner tollen Laune an” Gesängen merken konnte).

Sonderzüge habe ich selbst in unmittelbarer Nähe der Messe – wo die Bahnen dann teilweise Viehtransportern glichen (wobei die ja gewisse Rechte haben, was z. B. den Platz pro Individuum betrifft?) übrigens keine gesehen. Die Bahn scheint sich Jahr für Jahr davon überraschen zu lassen, daß Leute tatsächlich zur Cebit fahren, und morgens sowie abends evtl. ein erhöhtes Aufkommen in und um die Messe herum sein könnte. Das ist wohl ungefähr so, wie die Bahn sich Jahr für Jahr von heißen Sommern und dem ersten Schnee (kein Winteranfang ohne Chaos) überraschen läßt. Apropos: In Rußland, wo die Wetterverhältnisse ja deutlich schlechter sind, fahren die ICEs übrigens rund um die Uhr pünktlich. Das arme Rußland hat sich wohl ordentliche ICEs geleistet, die rund um die Uhr fahren können, während im wohlhabenden Deutschland (und man schaue sich nur mal die Ticketpreise an!) nur die Sparversionen eingesetzt werden.

Endlich auf der Messe angekommen war dann die Orientierung üblich schlecht. Könnte man nicht den Menschenmassen folgen und wüßte den Weg schon von den Jahren zuvor, man würde sich glatt verlaufen. Vlt. miete ich ja im nächsten Jahr eine Halle in der Nähe und leite die Besucherströme zu mir um. Ich müßte nur meine Schilder aufstellen, nicht einmal Wegweiser der Messe entfernen – da nicht vorhanden.

In den Hallen war die Orientierung auch miserabel. Ich habe mich bestimmt 10 Mal vertan bzgl. meines aktuellen Aufenthaltortes, da ich nie wußte, ob die Schilder gerade die aktuelle Halle anzeigen, oder evtl. auch die nächste Halle in der Richtung.

Selbst die Türen sind mal extrem untauglich für so ziemlich jede Handhabung (viel zu schwergängig).

Besucherzahlen

Insgesamt verlief sich alles relativ gut auf dem Gelände. Und das, obwohl so wenige Hallen offen waren. Und – man war stets überrascht, was in welcher Halle war aufgrund der schlechten Auszeichnung.

Obwohl ich also oft überrascht vor verschlossenen Hallen stand und dann bei den offenen Hallen teilweise große Bereiche abgesperrt waren (damit es nicht gar so leer aussieht) war wohl nur eine Halle überfüllt: die Intel Extreme Masters Halle. Davor standen dann zahlreiche jugendliche Männer. Eigentlich schade, war doch im letzten Jahr zumindest diese Halle recht interessant – allein von der Atmosphäre her. Ein Schlangestehen wäre sie jedoch wohl auch kaum wert gewesen. Und so war sie vermutlich nur von jungen Nerds besucht, die sich dann die Mühe machen, auch mal eine halbe Stunde zu warten.

Interessantes

Tja.. da gab es leider wenig. Wobei ich auch nicht an Flugzeugbauern aus Brasilien oder den letzten Projekten des BMBF interessiert bin. Ich fand es natürlich interessant, daß sich ungefähr 50 Firmen irgendwelche Forschungen, die sie nachher selber kommerziell einsetzten können, vom Steuerzahler mit 200 Millionen finanziert haben (und das nur bei einem Projekt, der Optimierung im Umgang mit bestimmten Daten, die im Netz verfügbar sind – wenn die Öffentlichkeit je von diesen Ergebnissen profitieren wird), aber das ist ja eher Usus als verwunderlich.

Spannende Themen, wie die Halle zum Thema Gesundheit (die dann auch tatsächlich so ausgeschildert war!) waren dann aufgrund der nur ungefähr 5 vertretenen Firmen eine große Enttäuschung.

Planet Reseller

Einige der interessanteren Firmen, die dann zumindest spannende aktuelle Hardware zeigen, waren im abgesperrten Bereich „Planet Reseller” vertreten. Nach einem kurzen Blick ins Innere habe ich dann festgestellt, daß hier wohl auch jeder reinkommt (inkl. größerer Gruppen Noch-Nicht-Ganz-Volljähriger) und habe mich dann auch als Chef meiner eigenen Firma selber eingelassen. Mehr als eine Visitenkarte habe ich nicht benötigt.

Leider war ich Samstag erst gegen 15h dort, und die meisten Firmen waren wohl (??) auch so enttäuscht von der Messe, daß sie dieses bereits verlassen hatten bzw. dabei waren. Dafür konnte man den Asiaten die eine oder andere Sache abkaufen, die sie nicht nochmal mit zurück in die Heimat nehmen wollten. Die Preise waren jedoch eher europäisch als asiatisch (bzw. das, was ich für asiatisch halten würde).

Hier stand ich oft vor verlassenen Ständen.

Was sonst noch zu berichten wäre

Mir war noch aufgefallen, daß direkt neben dem großen Bereich für IBM eben jenes IBM einen Platz aufgebaut hatte, wo eine Band laut Musik zum besten gab. Das passte irgendwie zwar überhaupt nicht zu den doch sehr konservativ aussehenden Leuten direkt um die Ecke, hatte aber bestimmt für irgendeine Person aus der Planung Sinn gemacht. (BWLer (aber auch viele andere) können sich ja unter Ausschluß von Teilen der Realität alles schönreden – zumal hier dann ja gerne auch Feedback nur von den Richtigen abgeholt wird: „Fandest Du es auch so toll wie ich? Ein großer Erfolg!”)

Nicht einmal kostenlose Zeitschriften (abgesehen von der ewig.. ok seienden.. Chip gab es.

Und: eine Stunde WLAN kostet offiziell 10€. Nimmt man 10h ab gibt es einen kleinen Rabatt. Na, wenn das mal nicht ein tolles Angebot ist! (Leicht versteckt gab es das kostenlose WLAN gesponsort von den gelben Seiten – gegen die Eingabe der persönlichen Daten inkl. Abtretung der Rechte an der Nutzung eben jener zu Werbezwecken.)

Mein Fazit

Stutzig hätte mich wohl bereits die nahezu komplett fehlende Berichterstattung in einschlägigen Medien machen sollen. Was hätte es auch zu berichten gegeben? „In Hannover nichts Neues”. Oder zumindest nichts Spannendes.

Vielleicht gibt es ja bald auch Freikarten für interessante Aussteller? Ich würde es mir wünschen.

Ich jedenfalls werde mir einen weiteren Besuch schwer überlegen und vorher genau verfolgen, ob es denn im nächsten Jahr konkret Interessantes gibt, das mich über die immer wiederkehrenden Probleme organisatorischer Natur hinwegsehen läßt.

Dieses Jahr fühlte ich mich nicht einmal über aktuelle Entwicklungen in der IT auf einen aktuellen Stand gebracht.

Way to go, Cebit!

One thought on “Cebit 2012: die große Enttäuschung

  1. Gerade habe ich gelesen, daß es dieses Jahr leicht niedrigere Besucherzahlen gab als im letzten Jahr. Die Messeleitung hat das direkt ins richtige Licht gesetzt: schuld war neben dem Streik der Bahn ein anderes Zählsystem als zuvor. Aussteller und Servicekräfte zählen nicht mehr als Besucher. Ein toller Schritt in Richtung mehr Transparenz.

    Sollte übrigens jemand doch interessante Kontakte auf der Cebit geknüpft haben, so findet er hier auf heise ein paar Tips zur Messenachbereitung.

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