Geld, Geld, Geld

Geld, Geld, Geld

Jeder will es, kaum einer hat genug davon: Geld.

Doch.. ist es wirklich so wichtig? Oder ist es doch nur Mittel zum Zweck?

Oft wird Geld von uns vollkommen falsch eingeschätzt. Warum wollen wir überhaupt Geld? Wozu ist es gut?

Matt Morris, Autor des Unemployed Millionaire, erzählt dazu ein nettes Gedankenexperiment. Das geht ungefähr so: man stelle sich vor, man wäre mit James Bond sowie dem bösen Handlanger von Goldfinger in Fort Knox eingesperrt. Was will man jetzt mit dem schönen Gold machen? Insbesondere, wenn die Tür nicht mehr aufgeht, und man keine Chance hat, zu entkommen? Die Freude am glänzenden Metall wird nicht lange anhalten.

Das zeigt, daß Geld an sich wertlos ist. So ähnlich stellt es sich auch in einigen Endzeitfilmen dar, wo vereinzelt noch Menschen versuchen, mit Dollarn (fast alle Endzeitfilme sind amerikanisch) zu bezahlen, sie aber nur ausgelacht werden. Der Wert des Geldes mißt sich allein in den Gütern, die wir damit bezahlen können (und ebenso stellt Geld für den Empfänger einen ähnlichen Wert da, er kann damit wieder anderswo Güter einkaufen). Es sind also im Endeffekt die Güter und Dienstleistungen, die wir haben wollen, die Geld symbolisiert, und das verwechseln wir gerne.

Wobei Geld hier durchaus so manche Bequemlichkeit anbietet: z. B. können wir es heute verdienen, wo wir jung und kräftig sind, uns jedoch einen schönen Lebensabend machen, wenn wir mit 80 in Rente gehen (laut Bestatterzeitung (nein, ich lese die nicht, kommt aber weit oben bei Google) wurde in Großbritannien das Rentenalter bereits komplett abgeschafft – dort darf man so lange arbeiten, wie man möchte).

Problematisch wird es, wenn wir dabei aus dem Auge verlieren, daß es nur ein Mittel zum Zweck, jedoch kein Selbstzweck, ist. Opfern wir z. B. unser Glück im Leben einer lieblose Arbeit, die jedoch viel bezahlt, kann man sich dadurch viele schöne Dinge kaufen, um eben jenes Glück wieder in sein Leben zurückzuholen, das man durch die viele Arbeit verloren hat. Vielleicht etwas mehr, manchmal etwas weniger.

Oder „die Kinder sollen es einmal besser haben” – das ist wohl die ultimative Ausrichtung auf die Zukunft, die da nicht einmal mehr direkt die eigene ist.

Zeit ist Geld

Die Gleichung ist recht einfach. Zeit ist Geld. Wir können unsere Zeit 1:1 in Geld umwandeln, indem wir z. B. Schuhe putzen, Computer programmieren, oder Raumschiffe auf den Mond fliegen. Arbeiten wir doppelt so lange, bekommen wir doppelt so viel Geld. Umgekehrt funktioniert das nicht so gut. Die Zeitbanken, die es in Michael Endes Momo gab, bleiben vorerst Phantasie. Die Zeit, die wir einmal verwendet haben, kommt nicht wieder. Wobei im Nachhinein oft nur zählt, wie schön die Erinnerungen an die Zeit sind. Das ist das, was wir haben: das Jetzt, die Erinnerung (Vergangenheit) sowie die Träume (Zukunft).

Ein weiteres Problem, das sich für die Leute ergibt, die jetzt viel Geld verdienen wollen, um später viel Zeit zu haben, ist: wann ist der richtige Zeitpunkt, um mit dem Geld verdienen aufzuhören, und mit dem Genießen des Lebens anzufangen? Und gibt es dann keinen Weg mehr zurück?

Generell mag eine gewisse Balance wie in allen Dingen des Lebens gut sein. Jederzeit genießen, das Glück suchen, aber auch an seine Zukunft denken. Überwiegt ein Teil ist es nicht gut für das Gesamte. Denkt man nur an die Zukunft, wird man leicht im Alter Millionen besitzen. Doch.. viele hätten an der Seele verloren, wenn sie sich allein auf Geld konzentrieren, und dieses zum alleinigen Lebenszweck wird.

Reich wie ein Millionär

Ich habe mal in einem schlauen Buch gelesen (ich weiß nicht mehr welches – aber jeder Gedanke wurde ja schon einmal gedacht, jede Idee gibt es seit Anbeginn und ist allen eigen, wie Plato in seiner Ideenlehre sagt), wie man als einfacher Mensch leben kann wie ein König.

Es gibt ein paar Dinge, mit denen jeder einfach so leben kann, wie auch der reichste Mensch auf Erden. Eine davon ist z. B. das Schlafen. Ohne Probleme kann man sich ein Bett für 20.000€ kaufen – benutzt man es über 20 Jahre, sind das ca. 3€ pro Tag. Und.. es gibt auch für 2.000€ schon sehr gute Betten. Und sind die Augen erst zu machen die goldenen Armaturen im Bad auch keinen Unterschied mehr – hier kann es sich jeder gut gehen lassen.

Geldgrenze

Eine andere interessante Sache, die ich mal gelesen habe, ist die, daß es eine bestimmte Obergrenze des Verdienstes gibt in Bezug auf eine Verbesserung unseres Befindens. Sobald diese überschritten wird, steigt unsere Lebensqualität nicht mehr wirklich. Diese liegt bei ca. 40.000€ pro Jahr. Der Grund: mit weniger Geld muß man sich immer wieder einschränken, vielleicht nicht groß, aber immer wieder, hier und da. Ab ca. 40.000€ muß man sich kaum mehr einschränken, dieser Betrag reicht für alle kleinen und größeren (wenn auch nicht ganz großen) Belange des Lebens aus.

Verdient man nun jedoch mehr, geht viel davon wiederum für Dinge drauf, die man sonst gar nicht benötigen würde. Wer 70.000€ verdient wird evtl. lieber in Boss und Joop als in KiK Klamotten rumlaufen. Diese sind jedoch wesentlich teurer, und machen nicht jeden glücklicher. Das gleiche gilt für Auto, Wohnung, Restaurants, etc. Mit dem Einkommen steigt auch der Lebensstandard, der jedoch nicht mehr als wirklich besser wahrgenommen wird, höchstens im Vergleich zu anderen, jedoch zwangsläufig mittelfristig wieder alltäglich wird. Eine deutliche Verbesserung der Lebensbedingungen erfolgt so nicht.

Geld macht glücklich

Auch das stimmt nicht immer. Es gibt zwar ein „zu wenig”, wobei dieses auch für jeden unterschiedlich wenig ist, und einige auch mit dem allerwenigsten durchaus zufrieden sind. Jedoch sind Menschen, die doppelt so viel besitzen nicht automatisch doppelt so glücklich, wie immer wieder in Befragungen und Studien herausgefunden wird. Oft sind die glücklichsten Menschen diejenigen, die in den einfachsten Verhältnissen leben – vielleicht auch daher, weil das noch mehr des Nachbarn so weit weg ist, und sie Meister darin geworden sind, mit dem, was sie haben, zurecht zu kommen.

Philosophie

Man sollte Geld also weder über- noch unterbewerten. Es ist ein nützliches Hilfsmittel, sollte aber nicht zum Selbstzweck werden. Glücklich macht es nur selten, das läßt sich anderweitig einfacher erreichen, z. B. durch Geld ausgeben für schöne Dinge, aber besonders schöne Dinge sind dann doch oft nicht käuflich, stattdessen bekommen wir sie geschenkt. Wenn wir offen und bereit dafür sind.

One thought on “Geld, Geld, Geld

  1. Ich muss sagen Du schreibst interessante Artikel. Und im Grunde sehe ich es ähnlich dass ein glückliches Leben auf eine gelungene Balance im eigenen Leben zurückzuführen ist.
    Aber ich bin nicht der Ansicht, dass es eine „harte“ Obergrenze geben würde, ab der mehr Geld (oder auch mehr Zeit oder mehr Liebe etc) nicht zu einem noch glücklicheren Leben führen würde.

    Diesbezüglich habe ich eine interessante Meldung auf Heise/Telepolis gefunden.
    In einem Artikel vom 30.4.2013 wird auf eine aktuelle Studie über Lebenszufriedenheit verwiesen. In der in mehreren Länder durchgeführte Befragung war in keinem einzigen Land eine Schwelle aufzufinden, ab der noch mehr Geld nicht noch zufriedener gemacht hätte.

    Mehr Geld führt anscheinend immer zu noch mehr Zufriedenheit, egal wieviel man schon hat – vorausgesetzt der Einkommensanstieg ist auch wirklich spürbar.

    Die beigefügte Grafik ist recht anschaulich:
    Egal ob es eine Halbierung oder Verdopplung des Haushaltseinkommens ist, der Verlust oder Anstieg an Lebenszufriedenheit ist in jedem untersuchten Land nahezu linear, unabhängig davon ob man sich in der oberen oder unteren Einkommensschicht befindet.
    Lediglich der Grad des Anstiegs der „Zufriedenheitsgeraden“ – denn Kurven kann man das anhand der erhobenen Daten kaum nennen – variert etwas von Land zu Land.

    Hier ist der Link zu dem angesprochenen Artikel: http://www.heise.de/tp/artikel/39/39029/1.html

    LG,
    Robert

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