Made in China

Made in China

Diese Woche hatte ich das Vergnügen, mich ausführlich mit einer Produktdesignerin und Produktproduzentin zu unterhalten. Wie die korrekte Tätigkeitsbezeichnung ist weiß ich nicht. Was sie macht ist aber schnell erklärt: sie designt und produziert Produkte (Taschen, Gadgets und so ziemlich alles andere), die Produktion findet hierbei verteilt über die ganze Welt statt, je nach Anforderungen. Die Artikel landen für irgendein Label im Laden.

Was besonders spannend ist: so jemand kennt sich bestens mit den Herstellungspreisen aus. Und ich bin wissbegierig.

Wir sind dann auch noch an einem Taschenladen vorbeigebummelt und ich konnte es mir nicht verkneifen, nach den Herstellungskosten für einige Artikel zu fragen.

Jetzt werde ich mir wohl keine Handtasche mehr kaufen. Naja, wirklich viele habe ich in der Vergangenheit auch nicht gekauft.

Die erste Tasche, die wir uns angeschaut haben, war von einer beliebten aktuellen Marke und war mit 80€ ausgezeichnet.

Sie fing direkt an zu erzählen: der Stoff war der preiswerteste, den es gibt. Auf Metallteile wurde fast völlig verzichtet, der Lederanhänger am Reißverschluß war ein Imitat. Die Tasche war sozusagen auf Herstellungskosten optimiert (möglichst billig). Die dann nach ihrer Schätzung auch deutlich unter 10€ bei größeren Stückzahlen liegen würden.

Als nächstes schauten wir uns noch eine Ledertasche an. Da habe ich dann zuerst erfahren, daß der „Genuine Leather”-Anhänger jedes Objekt schmücken darf, das auch nur zu einem gewissen Teil aus Leder besteht, es muß also nicht die gesamte Tasche aus Leder sein. Mit einem vermuteten Herstellungspreis von 20€ und einem VKP von weit über 200€ gab es hier einen ähnlich großen Unterschied zwischen Herstellungskosten und Verkaufspreis. Die Tasche war insgesamt besser verarbeitet, es gab mehr Metallteile, sowie echtes Leder. Das Leder war allerdings in kleinere Teile zerlegt und zusammengenäht, wäre es am Stück gewesen, so wäre es nochmal teurer gewesen.

Woher kommt der Unterschied zwischen Herstellungskosten und Verkaufspreis?

In einem kritischen Artikel der Zeit über die Hemden, die H&M verkauft habe ich mal eine grobe Aufstellung gesehen, wie der VKP unserer Modeprodukte heutzutage zustande kommt. Hierbei spielt der Herstellungspreis gar keine so große Rolle. Es sind eher die Dienstleistungen, die sonst noch benötigt werden, und da wiederum insbesondere die, die hier vor Ort stattfinden, die zu Buche schlagen.

Die Zeit

In ihrem Artikel werden insbesondere die schlechten Arbeitsbedingungen kritisiert, die es H&M ermöglichen, ein Hemd für 5€ zu verkaufen. Wer in ein Geschäft geht, weiß: 5€ für ein Hemd sind teilweise noch viel, die gibt es auch deutlich günstiger.
Wer ein wenig weiter recherchiert und sich umhört, erfährt, daß auch das Nobel-Hemd für 90€ teilweise unter gleichen Bedingungen und mit ähnlicher Qualität produziert wurde.

Zunächst muß das Produkt designt werden. Das erfolgt oft in einem westlichen Land. So steht z. B. auf dem iPhone (interessanter Artikel zum Preis des iPhone) „Designed in U.S.; Assembled in China”, und so ähnlich verhält es sich mittlerweile mit vielen Produkten. Anschließend erfolgt die Produktion mit den erwähnten oft sehr niedrigen Kosten. In vielen Fällen wäre übrigens auch eine Produktion im Westen gar nicht viel teurer, da die Lohnkosten mittlerweile oft nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten ausmacht. Apple z. B. verdient jedoch lieber 10$ mehr, als das iPhone in den Staaten bauen zu lassen (oder sie unterstützen die armen Arbeiter von Foxconn).

Anschließend folgt der Transport, meist per Straße zum Hafen, von dort per Schiff, und schließlich vom Schiff zu einem Zentrallager/Logistikzentrum, wo die Waren erneut gelagert werden. Von dort wiederum müssen die Waren in die Geschäfte ausgeliefert werden, um dort präsentiert und verkauft zu werden. Die letzten beiden Schritte des Transportes (die vor Ort) machen hier auch den Großteil aus. Außerdem kommt hier auch noch der Einfuhrzoll hinzu.

Schließlich will das Verkaufspersonal des Ladens bezahlt werden, sowie der gesamte Overhead, wie Raumkosten, Verwaltung, Betriebskosten.

Zuletzt werden in Deutschland noch einmal knapp 20% für die Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) draufgeschlagen, die so 1:1 an den Staat durchlaufen, die dem Verkäufer also komplett verlorengehen.

Wer an die günstigen Taschen drankommen möchte, bestellt einfach einige Hundert und verschenkt den Rest.

Wer eine gute Produktdesignerin sucht wendet sich gerne mit einer konkreten Anfrage an mich, die leite ich dann weiter.

One thought on “Made in China

  1. Hallo

    ich bin auf der Suche nach einem gutem Produktdesigner, weil ich wollte Tshirts, Hemden und Hosen in China herstellen lassen ich Bitte um Ratschläge

    Vielen Dank im voraus

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