Warum die Aktienrendite höher als die Anleihenrendite ist (historisch gesehen)

Warum die Aktienrendite höher als die Anleihenrendite ist (historisch gesehen)

Nachdem ich in dem Artikel über die Wertentwicklung primär von Aktien bereits erfolgreich 🙂 die Welt der Finanzen nicht komplexer erklärt habe, als es z. B. auf den Rücken eines Bierdeckels passen würde, ist mir dazu noch eine interessante Folgerung eingefallen.

Die Erklärung, warum die Anleihenrendite schlechter als die Aktienrendite ist. Wenn längere Zeitabschnitte betrachtet werden.

Dazu greife ich ein paar Ideen aus meinem vorhergehenden Artikel auf.

1. Überlegung: Umsatz ~ Gewinn

Die erste Idee ist also, daß sich Umsatz und Gewinn ungefähr proportional entwickeln. Das gilt natürlich kurzfristig nicht. Bestes Beispiel sind hier die Fixkosten. Hat ein Unternehmen z. B. 1 Millionen € Umsatz, dabei 500.000€ Fixkosten sowie 250.000€ umsatzabhängige Kosten, so würde, wenn sich der Umsatz auf 2 Millionen € verdoppelt, die Rechnung wie folgt aussehen: 500.000€ Fixkosten, 500.000€ variable Kosten, macht also jetzt 1M€ Gewinn nach 250k€ eben. Der Umsatz steigt um 100%, der Gewinn um 400%.

Umsatz Fixkosten Variable Kosten Gewinn
alt 1000000 500000 250000 250000
neu 2000000 500000 500000 1000000

(Wobei es nie ausschließlich Fixkosten gibt. Ein schönes Standardbeispiel für Fixkosten sind die Netzkosten der Mobilfunkbetreiber. Wer das jedoch als Fixkosten betrachtet und auch nicht auf die Zahl der Nutzer schaut, hat bald ein Netz wie E-Plus in Deutschland.)

Aber.. wenn wir das wieder langfristig betrachten, so ist der Gewinnanstieg nach oben gedeckelt: es wird nie mehr Gewinn geben als Umsatz (außer bei Porsche – aber langfristig gibt es Porsche nicht als eigenständige Firma 🙂 ). Also wird der Gewinn zwangsläufig bei einer gewissen Prozentzahl vom Umsatz verharren, zumindest nach einer anfänglichen rasanten Wachstumsphase. Ein Grund, warum der Gewinn auch prozentual nie einen gewissen Wert übersteigen wird ist der Wettbewerb. Arbeitet eine Firma besonders rentabel wird es auch besonders viele Nachahmer geben, die schließlich auf die Gewinnmarge drücken.

Genauso ist der Gewinn nach unten abgesichert: sobald die Gewinnmarge zu klein ist werden zunehmend Wettbewerber verschwinden, so daß sich die Margen erholen können.

Natürlich fallen einige Firmen aus diesem Schema raus, indem sie sich z. B. durch Insolvenz entziehen. Diese spielen jedoch längerfristig betrachtet keine Rolle mehr.

2. Überlegung: Gewinn~Aktienkurs

Diese Überlegung stammt im wesentlichen aus meinem vorhergehenden Artikel sowie von TradingDay: Renditen am Aktienmarkt.

Langfristig sind es Dinge wie die Erwartung der Dividende, und damit der Gewinne, die den Aktienkurs bestimmen. Kurzfristig (bei jungen Unternehmen, die noch keine Dividende zahlen) sind es die Gewinnerwartungen, gerne auch die von Gewinnen, die erst 5 oder 10 Jahre in der Zukunft liegen.

Verschiedene Branchen mögen zwar über längere Zeiten unterschiedliche Bewertungen des Gewinnes haben (die sich dann in unterschiedlichen KGVs niederschlagen). Das widerspricht jedoch nicht der Proportionalität, wir setzen ja keine Gleichheit voraus.

3. Überlegung Gewinn < Schuldendienst

Wie überleben Unternehmen langfristig?

Indem die Einnahmen größer als die Ausgaben sind.

Somit werden Unternehmer also bei der Ausgabe von Anleihen darauf achten, daß der Anleihezins unterhalb des erwarteten Zusatzgewinnes steht, ansonsten würde sich diese Investition nicht lohnen. (Unternehmen in verzweifelten Situationen sowie schlechte Wirtschaftszeiten, wo z. B. Anleihezinsen noch aus einer Boomphase hoch sind, aber die Gewinne bereits eingebrochen sind trüben dieses Bild immer wieder über kürzere Zeiträume.)

Schlußfolgerung

Aus diesen 3 Überlegungen folgt direkt, daß die Anleiherendite schlechter sein muß als die Gewinn- und damit Kursentwicklung, Unternehmen, die anders planen, werden nicht langfristig am Markt sein.

Staatliche Anleihen wiederum sortieren sich vom Zinssatz her unter Unternehmensanleihen ein und vergrößern den Unterschied nur.

Um mein Halbwissen zu erweitern, weil es vom Handelsblatt empfohlen wurde, sowie weil es insgesamt nach einer sehr netten Idee klingt, habe ich mir mal bestellt. Ähnliches hatte – wenn ich mich nicht ganz täusche – bereits Kostolany in einigen seiner wunderbar zu lesenden Büchern beschrieben (Der große Kostolany). Doppel Plus gut.

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